Wäre das Leben absolut vorhersehbar, wäre es kaum noch lebenswert. Letzten Endes bleibt uns gar nichts anderes übrig, als ins Vertrauen zu gehen, dass wir die Krise überstehen. Es führt kein Weg daran vorbei. Immer, wenn uns die Frage »Was soll ich bloß tun, wenn dieses und jenes passiert?« durch den Kopf geht, kann unser Gegenvorschlag so lauten: »Ich werde schon herausbekommen, wie ich damit umgehen kann. Es mag eine Zeit dauern, aber ich finde einen Weg. Ich muss JETZT noch nicht den genauen Weg kennen. Es reicht darauf zu vertrauen, dass es ihn gibt und dass er sich mir zeigen wird.« Das fördert das Vertrauen. Die Welt ist nur so groß, wie die Türe, die wir ihr öffnen. Der Verstand hingegen möchte erfassen, festhalten, kontrollieren, die Dinge nach seiner Überzeugung lenken. Wenn ihm das plötzlich nicht mehr gelingt, kann er »ver-rückt« werden (von einem Punkt an einen anderen). Das ist jedoch eine heilsame Angelegenheit, denn dadurch verliert er seine Vorrangstellung und wird endlich an seine richtige Position gerückt. Sicherheit durch alleiniges Verstandesdenken und Kontrolle ist eine Illusion und bleibt eine Illusion. Ich selbst pfeife auf das Scheingefühl der Sicherheit, welches mich bislang nicht erfüllen konnte, weil es mich viele Jahre in einem Leben festhielt, welches kein erfülltes Leben war. Ich fühle mich heute in meiner Existenz gut aufgehoben und habe das übersteigerte »Sicherheitsdenken« losgelassen. Wenn wir nur auf Sicherheit aus sind, können wir uns gleich in unser Grab legen. Dort wären wir mit solch einer Einstellung gut aufgehoben, denn nur Tote sind absolut sicher. Aber so ist das Leben nicht gedacht, es geht nicht um aus Angst angestrebte Sicherheit. Fragen wir uns doch einmal, was Sicherheit überhaupt ist. Ein guter Job? Man kann auch entlassen werden. Eine Krankenversicherung? Aus ihr kann man rausfliegen, wenn man die Beiträge nicht bezahlt. In einem europäischen Wohlstandsstaat zu leben? Auch solch ein Staat kann pleite gehen und verarmen. Wir sehen also: Echte und wahre Sicherheit ist nichts, was im Außen vorzufinden ist, denn alles im Außen ist veränderbar und vergänglich, und somit nicht wirklich sicher. Nur das, was IN UNS ist, ist wirklich sicher. Wir können uns auf unsere Fähigkeiten, auf unsere Stärken, auf uns selbst verlassen. Sträuben wir uns also nicht vor ungewissen Situationen. Ich habe mit der Zeit gelernt, die Ungewissheit zu lieben, weil sie mir geistige Freiheit bringt. Man kann deshalb anstelle von Ungewissheit auch FREIHEIT sagen. Man ist frei von jeglichem Kontrollbedürfnis und vertraut stattdessen. Vertrauen ist das wundervollste Werkzeug, das sich denken lässt. Ich habe mir fest verinnerlicht, dass das Leben immer alle gewinnen lässt. Es gibt keine Verlierer. Das mögen wir nicht immer so sehen, aber fest steht, dass wir alle ein Teil des Lebens sind. Und ein Teil kann niemals schlauer sein als das Ganze. Das Ziel des Ganzen ist auch unser Ziel, selbst wenn wir dies aus unserer ICH-Perspektive nicht gleich auf Anhieb erkennen. Deshalb sollten wir dem GANZEN Leben Vertrauen entgegenbringen, ganz gleich, was auch geschehen mag.
Zweifle nicht am Blau des Himmels, wenn über Deinem Dach dunkle Wolken stehen. (Aus Indien)
Vertrauen zieht das Gute an
Kennst Du das auch? Du suchst Deine Schlüssel, weißt absolut sicher, dass sie auf dem Tisch liegen müssten, aber Du findest sie nicht. Und je mehr Du sie finden willst, je intensiver Du nach ihnen suchst, umso länger bleiben sie verschwunden. Und sobald Du die Suche aufgibst, entdeckst Du sie plötzlich direkt vor Deiner Nase. Wir sind die ganze Zeit an ihnen vorbei gelaufen und können gar nicht nachvollziehen, wieso wir sie nicht gesehen haben. Wenn man sich die ganze Angelegenheit näher betrachtet, könnte man sagen: »Nachdem wir die Suche ‚losgelassen‘ haben, wurden wir fündig.« Und wenn wir die Sache noch weiter vertiefen, kommen wir sogar zu dem Schluss, dass nicht wir die Schüssel gefunden haben, sondern dass wir uns von den Schlüsseln haben finden lassen. Für mich bedeutet das: Alles, wonach ich suche, finde ich am schnellsten dann, indem ich mich von den gesuchten Dingen, Menschen und Zielen finden lasse. Je intensiver ich etwas begehre, umso verkrampfter bin ich. Je mehr ich eine Lösung herbei zu zwingen versuche, umso mehr blockiere ich meinen Lösungsweg und halte mich selbst in meiner Krise fest. Die logische Schlussfolgerung: Ich höre auf, nach der Lösung zu streben. Lösung würde bedeuten, dass der jetzige Krisenzustand etwas Falsches wäre. Aber das ist er nicht. Er ist die genaue Wirkung einer von mir zuvor gesetzten Ursache. Er ist die Reaktion auf meine vorherige Aktion – und deshalb stimmt der gegenwärtige Zustand immer. Er ist der Spiegel meines Inneren. Was bleibt also zu tun? Den gegenwärtigen Zustand annehmen und ins Vertrauen gehen, dass uns das Leben damit ein Geschenk überreicht hat. Statt einen anderen Zustand haben zu wollen, vertrauen wir darauf, nehmen das Geschenk an und lernen daraus. Wir verlassen den Pfad, auf dem es immer nur um HABEN, WOLLEN und ERZWINGEN geht. Haben wollen entsteht im Denken, also ändern wir unser Denken. Wir ändern es dahingehend, dass wir vom Leben nicht immer nur etwas haben wollen, sondern dass wir uns dem Leben vertrauensvoll hingeben. Wir lassen die Dinge geschehen und strahlen somit eine positive Energie aus, die sich im Außen bemerkbar macht. Wir hören auf nach etwas zu streben, denn Streben verhindert innere Zufriedenheit. Sind wir mit dem JETZT einverstanden, sind wir zufrieden und brauchen nach nichts zu streben. Dies sollte nicht mit einer passiven Lebensweise verwechselt werden. Hier geht es darum, frei von irgendwelchen Erwartungshaltungen zu leben. Wir handeln aus der Freude an sich, unser Antrieb ist unser inneres Glück, wir versuchen damit nichts zu erreichen. Dadurch befreien wir uns von innerem Druck und leben freier und leichter, fühlen uns erfüllt und glücklich. Erst, wenn wir bereit sind, diesen Schritt des Vertrauens zu gehen, wird uns der entsprechende Weg gezeigt. Vorher nicht.
Gib Dich dem Leben hin. Erlaube dem Leben, Dich zu führen, und versuche nicht, das Leben zu führen. (Lao-tse)
Das Ungewisse annehmen
Sagen wir uns: Es ist ganz okay, dass der gewohnte Zustand der Sicherheit in Krisenphasen nicht mehr existiert. Diese Grenze haben wir überschritten und in diesem Stadium ist es vollkommen normal und auch gut, dass alles unsicher geworden ist. Wir können diese Phase für oder gegen unsere Entwicklung nutzen. Wenn man die Ungewissheit bzw. die Unsicherheit ablehnt, wird sie irgendwann zu Angst. Nimmt man sie aber an, stärkt uns das ungemein.
Wirf Deine Angst ab, verlass Dich auf Deine inneren Hilfsquellen. Vertraue dem Leben, und es wird’s Dir vergelten. Du vermagst mehr, als Du denkst. (Ralph Waldo Emerson)
Unsicherheit zu akzeptieren und sich selbst dem Unbekannten auszuliefern, erschafft ein entspannendes Vertrauen in das Universum. Das Selbst und der Rest des Universums sind keine voneinander getrennten Einheiten, sondern Teil eines gemeinsam funktionierenden Ganzen. (zitiert von Dieter Langenecker)
Ganz egal, wie viele scheinbare Sicherheiten man sich auch aufbaut, es ist für unseren Verstand NIE, NIE, NIE genug, die Angst bleibt bestehen. Und ein angstvolles Leben ist kein lebenswertes Leben. Ich finde: Solange wir leben, sollten wir auch lebendig sein. Und dazu gehört es nun einmal, Unsicherheiten anzunehmen und zu vertrauen. Machen wir keine große Sache aus ihnen, indem wir sie ablehnen.
Wolken und Nebel sind doch nur Luftgestalten: über ihnen strahlt ewig die Sonne, der Mond. (Japanische Weisheit)
Ich muss nicht alles kontrollieren und meine Erfahrung mit der Unsicherheit hat mir deutlich gezeigt, dass sie nichts Feindseliges ist. Sie ist ein Teil eines jeden Lebens, sie gehört zu jeder Existenz. Bereits die Geburt ist ein Wagnis und ohne Vertrauen würde sich niemand auf eine Schwangerschaft einlassen. Deshalb ist es ganz gut, den Verstand auch einmal abzuschalten. Ich selbst befasste mich während meiner »Sturmphase« Tag und Nacht gedanklich mit meiner Krise, analysierte sie von oben, unten, links und rechts, suchte wie ein Besessener selbstquälerisch nach Lösungsmöglichkeiten. Tja, und so ging das eine halbe Ewigkeit, ohne dass ich bemerkte, dass ich mich im Kreis drehte und dass ständiges Grübeln den Stresslevel auf konstantem Niveau hält (unser Gehirn verbraucht unter Stress 90% unserer Energie). Irgendwann wurde mir klar, dass Nachgrübeln, reines, logisches Verstandesdenken und »sich den Kopf zermartern« mich nicht weiter bringen.
Wie lernt man Vertrauen?
Ich nahm einmal an einem Seminar teil, bei dem man sich mit geschlossenen Augen nach hinten fallen ließ und von anderen Seminarteilnehmern aufgefangen wurde. Diese Übung kann man auch ohne Partner machen, indem man sich aufs Bett fallen lässt. Eine etwas abgewandelte Variante dieser Übung kann man auch so nutzen: Man verbindet sich die Augen und lässt sich vom Lebenspartner, von den Geschwistern, Eltern oder Freunden per Anweisungen durch das Haus/die Wohnung führen. Erlaubt sind Anweisungen wie: »Einen Schritt vor, nach links, nach rechts, zurück, dreh Dich um, Vorsicht Stufe usw.« Für jeden auf Kontrolle bedachten Menschen ist das eine echt gute Übung, um Vertrauen zu lernen. Wenn wir erfahren haben, dass das alles reibungslos funktioniert (erst einmal im Kleinen), entsteht ein Gefühl des Vertrauens, der Leichtigkeit und der Freude.
Ich selbst habe mir auch tagelang, wochenlang, monatelang, jahrelang verinnerlicht, dass alles eins ist. Nichts ist voneinander getrennt, alles stellt eine große, allumfassende Einheit dar. Wenn ich also Teil von allem bin, was existiert, dann brauche ich keine Angst mehr zu haben, dann kann es keine Feinde geben und dann kann ich dem Leben wieder Vertrauen entgegen bringen. Auch können uns Affirmationen bei diesem wichtigen Schritt helfen:
»Das Leben meint es gut mit mir.«
»Ich bin voller Vertrauen und Geduld.«
»Ich vertraue der Weisheit des Lebens.«
»Alles, was mir widerfährt, hat einen guten Kern.«
»Ich habe Vertrauen in den Prozess des Lebens.«
»Ich bin immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort.«
»Ich erhalte alles, was ich benötige, zur rechten Zeit.«
»Ich gebe mich vollkommen dem Fluss des Lebens hin.«
»Ich gebe mir selbst die totale Freiheit der Gelassenheit.«
»Nur, was gut und richtig für mich ist, findet in meinem Leben statt.«
»Ich lebe in der tiefen Gewissheit, dass immer für mich gesorgt ist.«
Sehr hilfreich finde ich auch nachfolgende Affirmation von Manuela Gaiswinkler und Sylvia Jonacsik (leicht abgeändert von mir).
ICH BIN…..
ICH BIN immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. ICH TREFFE immer die richtigen Entscheidungen und die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt. ICH BIN immer allen Situationen gewachsen und voller Vertrauen. Darum widerfährt mir nur Gutes, denn ICH BIN immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. ICH TREFFE immer die richtigen Entscheidungen und die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt. ICH BIN immer allen Situationen gewachsen und voller Selbstvertrauen. DANKE für ALLES an jedem Tag in meinem Leben!
Ich gebe mich der Situation hin und auf diese Weise schaffe ich mir die Ausgangsbasis, sie zu verändern. Hatte ich vor Jahren, als ich meine ersten bewussten Wünsche aussandte, irgendeine Garantie? Nö. Hatte ich den gesamten Weg zu meiner Wunscherfüllung überblicken können? Mitnichten. Und war es wenigstens logisch nachvollziehbar, dass so etwas überhaupt möglich ist? Nicht einmal das. Ich vertraute einfach darauf, dass es das Leben gut mit mir meint. DAS Zauberwort heißt eindeutig: VERTRAUEN!!! Wenn ein Vogel vom Ast fällt, singt er trotzdem weiter, weil er weiß, dass er Flügel hat. Das ist auch meine Devise. ICH weiß, dass sich MEIN Weg von alleine ergibt, wenn ich nur loslasse und ihn im Vertrauen gehe. Ich sage mir: »Ich mache mir null Sorgen, weil ich ganz genau weiß, dass alles gut werden wird. Ich vertraue dem Leben.« Zweifel überlasse ich Menschen, die noch im Opfer-Modus feststecken. Das bedeutet nicht, dass ich nur passiv herumsitze, im Gegenteil, ich bin aktiv, ABER ich vertraue darauf, dass alles zu meinem Besten ist. Und bei einer solchen Einstellung verschwinden die Sorgen automatisch.
Sorge Dich nicht, lebe. (Dale Carnegie)
Und es bedeutet auch nicht, dass es keine weiteren Herausforderungen in meinem Leben geben wird, aber dagegen habe ich überhaupt nichts, denn jede Lage, die ich meistere, lässt mich das Leben noch besser verstehen. Nur durch all die Transformationen und Veränderungen hat das Leben eine konstante Qualität. Ich fühle mich heute dank meines Vertrauens vom Leben gut getragen und habe dadurch eines gelernt: Wer vertrauen und das Leben entspannt fließen lassen kann, der weiß zugleich von seiner Macht, das eigene Leben verändern zu können.
Wenn die Dinge nicht so laufen, wie man es sich wünscht, denken viele: »Ich bin immer vom Pech verfolgt.« Ich sage mir stattdessen: »Das Leben hat seine Jahreszeiten und jetzt ist für mich gerade Winter.« Und was folgt auf den Winter? Der Frühling! Die Sonne scheint wieder, man friert nicht mehr zu Tode und urplötzlich ist die Zeit für die neue Aussaat gekommen. Sie beginnen, die Schönheit der Natur wahrzunehmen, das wiedererwachte Leben, das allenthalben wächst und sprießt. Dann naht der Sommer. Es ist heiß. Sie müssen Ihre kleinen Sämlinge pflegen und gießen, damit sie nicht verdorren. Dann kommt der Herbst und Sie müssen die Ernte einbringen. Manchmal fällt sie nicht so reich aus, wie Sie hoffen durften – vielleicht hat ein Hagelsturm einen Teil Ihrer Feldfrüchte vernichtet. Aber wenn Sie Vertrauen in den ewigen Kreislauf der Jahreszeiten haben, dann wissen Sie, dass Sie bald eine neue Chance erhalten. (Anthony Robbins)
Vertrauen bedeutet auch, im Hier und Jetzt zu leben. Wie ich das meine? Ohne Vertrauen sorgen wir uns. Wenn wir uns sorgen, schweifen unsere Gedanken automatisch in eine ungewisse Zukunft. Und wenn das passiert, ist es unmöglich, im Hier und Jetzt zu bleiben. Und nur im Hier und Jetzt sind wir in der Lage, etwas zu tun und unsere Situation zu verbessern. Wenn ich dem Leben nicht vertraue und mich stattdessen sorge, dann trete ich den gegenwärtigen Moment, das Hier und Jetzt, mit Füßen.
Alle unsere Emotionen wie Angst, Unsicherheit, Nervosität, Unruhe usw. sind im Grunde gar nicht »echt«, denn sie spielen sich nur in unserem Kopf ab. In solchen Momenten befinden wir uns in einem »Gedankenfilm«, in einer Phantasiezukunft, die von unseren inneren Überzeugungen geprägt ist, die wir zu unserer Wahrheit gemacht haben. Es liegt an uns, einen anderen Film einzulegen und abzuspielen.
