Artikel

Partner wollen oder Partner brauchen?

Bedenke, dass die beste Beziehung die ist, in der jeder Partner den anderen mehr liebt als braucht. (Dalai Lama)

(So einfach und doch so wahr; Anm. des Autors)

Viele Menschen sagen »Ich liebe Dich«, meinen aber in Wahrheit »Ich brauche Dich« bzw. »Ich liebe Dich, weil ich Dich brauche«. Man sollte Liebe nie mit Bedürftigkeit und »wollen« nie mit »brauchen« verwechseln. Etwas brauchen hat mit Liebe genau so wenig zu tun, wie ein Kreis mit einem Rechteck. Khalil Gibran beschreibt sehr schön, was eine gute Beziehung ausmacht: »Liebt einander, aber macht aus der Liebe keine Fessel.« Wenn Du Dir einen Partner wünschst, lieber Leser, dann mache Dir erst einmal klar, dass Du ihn nicht brauchst. Sobald Du etwas zu brauchen glaubst, begibst Du Dich in Abhängigkeit und somit in eine Opferhaltung. Und Abhängigkeit ist nicht nur das Gegenteil von Unabhängigkeit, es ist zugleich ein Beziehungskiller erster Klasse, weil es eine abgrundtief disharmonische Schwingung erzeugt.

Wenn wir »partnerabhängig« sind, dann sind wir davon überzeugt, dass nur der Partner in der Lage ist, uns glücklich zu machen. Damit übertragen wir dem Partner Autorität über uns, machen uns zu einem Spielball und zu einem »Partner-Junkie«. Wir senden durch unsere Schwingung permanent die Botschaft ans Universum: »Ich bin klein und schwach.« Wir begeben uns in eine Position, in der wir die Eigenverantwortung aus den Händen geben. Geben wir aber die Verantwortung über unser Leben ab, geben wir gleichzeitig auch die Macht über unser Leben ab. Wozu soll das bitteschön gut sein??? Damit versetzen wir uns in eine Lage, in der wir von einem Retter gerettet werden wollen aus einem Tal des Unglücks, doch da das Unglück in unserem Inneren gebildet wurde, können nur wir selbst es auch innerlich auflösen – und kein Retter im Außen.

Nach vielen Jahren eines langes Schlafes wacht eine Prinzessin eines Tages auf. Doch niemand ist da, um sie zu erlösen. So schläft sie wieder ein. Mehrere Jahre vergehen und die Prinzessin wacht wieder auf. Sie schaut nach links und rechts, nach oben und unten, aber wieder ist niemand da, der sie retten will. Und so schläft sie wieder ein. Schließlich wacht sie zum dritten Mal auf. Sie öffnet ihre schönen Augen, kann aber abermals niemanden erblicken. Da sagt sie zu sich selbst: »Jetzt reicht es mir aber!«, steht auf und ist erlöst. (nach Norbert Mayer)

Als Kinder brauchten wir unsere Eltern und waren auf sie angewiesen. Wir verbrachten Jahre unseres Lebens in der festen Überzeugung, dass Andere die Macht über unser Leben und unser Wohlbefinden haben. Diese Überzeugung gilt es los zu lassen, denn diese Zeiten sind vorbei. Fühlen wir uns von jemandem abhängig, wird uns das unser Leben lang belasten. Ein Partner ist kein Garant für Glück. Wer sich von der Existenz eines bestimmten Partners emotional abhängig macht, schätzt sich zu seinem Partner als nicht ebenbürtig ein, überhöht den Partner und setzt sich selber herab.

Ich selbst war mal ein »Partner-Junkie« und das lag an mangelnder Selbstliebe. Ich war damals solo und war im Grunde wie jemand, der nicht schwimmen kann und einen Schwimmer suchte. In dieser Zeit fühlte ich mich innerlich leer, kam mit mir selbst nicht klar und litt sehr stark darunter. Ich benötigte alle möglichen Beschäftigungen, um mich abzulenken. Doch all das half nichts und so verlagerte sich mein Fokus immer mehr auf die Suche nach einem Partner, der meinen Mangel an Selbstliebe füllen sollte. Doch genau durch das »Brauchen eines Partners« verhinderte ich erfolgreich das Entstehen einer wirklich liebevollen Partnerschaft. Und dadurch, dass ich mich selbst über andere Menschen zu definieren versuchte, konnte ich nicht die Liebe zu mir selbst finden. Heute sieht das anders aus: Tief in mir bleibe ich unabhängig, denn nur so kann ein Mensch dem anderen frei und in seiner wahren Natur begegnen. Der Mensch in Selbstliebe liebt sich selbst so sehr und fühlt sich so geborgen, dass er niemanden braucht, um glücklich zu sein. Aus dieser starken Position heraus kann er sich voll und ganz in eine Beziehung einbringen, ohne Angst und Ungewissheit. Man braucht sich nicht gegenseitig, beide sind von ihrem eigenen Wert überzeugt, aber trotzdem sind sie beide dankbar, dass es den Anderen gibt.

Verlassen wir die Zone der Bedürftigkeit. Suchen wir nach einem Partner nicht, weil wir ihn zu brauchen glauben, sondern aus der Freude am Lieben. Wahre Liebe geht über jede Bedürftigkeit.

Vorheriger Artikel
Das Wunder der Wiedergeburt
Nächster Artikel
Die Angst transformieren