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Meditation – Teil 1

Du kannst Dein Leben weder verlängern noch verbreitern, nur vertiefen. (Gorch Fock)

Mindestens einmal am Tag solltest Du Deinen Verstand abschalten und in Dich gehen, zu dem, was Du wirklich bist. Das Denken kommt nämlich nicht aus DIR. Nein, es kommt aus dem Verstand, dem Werkzeug des Egos. Um ihn zur Ruhe zu bringen, sollte man regelmäßig meditieren.

Vor drei Jahrzehnten wurde Meditation im Westen noch verlacht. Heute ist Meditation allgegenwärtig: in Motivationsseminaren für Manager, in Fitness-Zentren, in Intensiv-Workshops für Kranke, in Reha-Institutionen für Drogenabhängige usw. Meditation liegt also weltweit »voll im Trend«. Was aber ist Meditation (lat. mederi = messen, das rechte Maß finden) eigentlich, was bewirkt sie und wie kann Meditation uns nützlich sein, um Glück zu erfahren? Im Grunde kann Meditation alles Mögliche sein. Im Zen wird Meditation als etwas erklärt, dass uns zum Kern des eigenen Wesens führt, was in unserer stressigen, hektischen, dauerlärmenden Welt geradezu notwendig ist, um wieder ein glückliches Dasein führen zu können. Um das zu schaffen, muss man nicht zwangsläufig mit geschlossenen Augen stundenlang in einem Raum voller Räucherstäbchen und entspannender Musik ruhig sitzen und dabei glücklich machende Affirmationen und Mantras sprechen. Wenn wir uns mit etwas mit voller Bewusstheit beschäftigen, ohne an das Gestern oder das Morgen zu denken, folgen wir auch unserer inneren Stimme und erreichen das Zentrum unseres wahren Wesens. Man fühlt sich vereinigt, man fühlt sich komplett, man geht darin auf und ist glücklich. Wichtig ist dabei jedoch immer die Komponente der bewussten Selbstbeobachtung.

Fest steht, dass Meditation den Blutdruck senkt, die Hirnaktivität beruhigt, Stresssymptome lindert, die Atmung harmonisiert, Depressionen und Angstzustände auflöst, das Immunsystem stärkt und eine Hilfe bei chronischen Schmerzen sowie Schlafstörungen ist. Erfahrene Meditationsmeister weisen während des Meditierens eine starke Frequenz von Gammawellen auf, die in Zusammenhang mit starker Konzentration stehen. Niederfrequente Delta-Wellen charakterisieren den Tiefschlaf. Alpha-Wellen mit etwa zehn Hertz kennzeichnen einen entspannten Wachzustand. Gamma-Wellen mit Frequenzen von über 30 Hertz scheinen kognitive Höchstleistungen zu begleiten. Mittlerweile gilt auch als gesichert, dass die Wirkung von Meditation nicht nur die Art, wie das Gehirn denkt, verändert, sondern dass ihre Wirkung bis in die physische Struktur des Gehirns reicht (Verdickungen in Hirnarealen, die mit Gefühlen und dem Gedächtnis befasst sind).

Die Meditation ist laut spirituellen Quellen aus Asien unser wahres Wesen, unser waches Wesen. Für Buddha war Meditation die Kunst der geduldigen Selbstbeobachtung, die Kunst des absichtslosen »Geschehenlassens«. Es geht darum, die eigenen Gedanken und Gefühle einfach nur zu beobachten, anstatt sie zu erleben, bis sie von alleine zur Ruhe kommen. Wer sich regelmäßig selbst beobachtet, lernt immer mehr über sich selbst (auch ohne Psychotherapeuten). Kennt man die eigene innere Welt, kann man auch leichter die äußere Welt beeinflussen. Denn beide Welten sind im Grunde eine Einheit. Durch Meditation erreichen wir unser Unterbewusstsein und können dadurch noch besser schöpfen. Um das so gut wie möglich zu schaffen, sollte Meditation ein tägliches Ritual sein.

Ein weiterer Nebeneffekt ist, dass man durch das distanzierte Beobachten die wertfreie Funktion des Beobachters einnimmt. Man ist also kein Opfer mehr, egal was gerade passiert ist, stattdessen ist man ein neutraler Beobachter der eigenen Gedanken, Gefühle und inneren Erlebnisse. Und als Beobachter ist man mit der jeweiligen Situation nicht verwachsen, sondern objektiv und gelassen, so dass man empfänglicher für Lösungen ist.

Nehmen wir an, Du siehst in Gedanken den morgigen Tag, an dem Du eine wichtige Prüfung zu absolvieren hast. Und dabei verspürst Du das Gefühl der Angst. Halte inne und beobachte Deine Angst. Sieh sie Dir an, so, als ob Du Dir einen Film anschaust, als ob es nicht DEINE Angst ist. Kämpfe nicht gegen sie an, sondern stattdessen beobachte sie absolut wertfrei. Und Du wirst erstaunt feststellen, dass sie sich mit der Zeit auflöst. Meditation bedeutet seinen Geist in seinen normalen Zustand zurückzubringen. Du bist ein Teil der Ewigkeit, die überhaupt keine Angst kennt. DAS ist Dein natürlicher Zustand, was also sollte Dich je beunruhigen?

Meditation lässt sich nicht erzwingen. Eine erfolgreiche Meditation sollte man nicht angehen wie ein ehrgeiziges sportliches Ziel, denn meditieren hat mit Tun und Machen nichts zu tun, auch nichts mit denken und fühlen. Meditation IST Gedankenleere. Meditation entspannt. Das Sein ohne die Anwesenheit von Gedanken ist die reinste Form des Lebens. Man kann das Ganze auch als NICHTSTUN bezeichnen. Leider haben die meisten Menschen heute verlernt, nichts zu tun. Sie denken die wirrsten Gedanken und entwickeln die selbstzerstörerischsten Gefühle, die man sich überhaupt vorstellen kann. Sie wissen nicht, wo die Taste ist, die für Ruhe sorgt. Man hat ihnen beigebracht, wie man denkt, aber nie, wie man die wirre Flut von Gedanken wieder abstellt.

Mit einfachen Worten: Meditation ist wie ein Spiegel, denn ebenso wie ein Spiegel tut sie nichts, sie reflektiert nur. Es geht darum zu beobachten, was gespiegelt wird. Solange wir keine innere Ruhe erlangt haben, sehen wir in dem Spiegel nur verzerrte Fragmente. Durch richtiges Meditieren kommt man aus dem Karussell der ablenkenden Gedanken heraus. Sind die Gedanken weg, wird das enthüllt, was bislang durch die Gedanken verdeckt war. Erst wenn wir uns innerlich beruhigt haben, frei von Ängsten und Disharmonie sind, sehen wir uns so, wie wir wirklich sind, in unserer ganzen Reinheit, frei von jeglichem Ego. Meditation gibt uns also weniger was, im Gegenteil, sie entfernt das, was unserer wahren Natur fremd ist und uns blockiert, bis wir wieder WIR SELBST sind. Meditieren ist wie ins Zentrum eines Hurrikans zu gehen. Dort ist Ruhe, dort sind wir rein und unverfälscht. Meditation ist die Rückkehr nach Hause, in die Harmonie, in unsere Mitte, weitab von jedwedem Lärm der Außenwelt. Wie im Mandala kommt alles aus der Mitte. Und in dieser Mitte findet das statt, was man gemeinhin als »Transzendenz« bezeichnet, die Überschreitung der künstlichen Ego-Persönlichkeit mit seinem rationalen und logischen Verstand, hinein in die harmonische Erfahrung von Ganzheit und Verbundenheit.

Hoch in den Bergen des Himalajas lebte einst ein Einsiedler in einer Höhle. Wenn irgendwo im alten Tibet ein Einsiedler lebte, wurde er von der Bevölkerung mit Nahrung versorgt. Als wieder einmal die Menschen vom Dorf zu ihm kamen, wurde er gefragt: »Was findest Du so Besonderes daran, so ganz alleine hier oben in der Stille zu leben?« Der alte Mann schöpfte gerade Wasser aus der Zisterne und sagte zu seinen Besuchern: »Schaut auf das Wasser in der Zisterne und sagt, was ihr seht.« Die Besucher schauten auf das Wasser und sahen nichts, nur Wasser. Nach einiger Zeit verlangte der Einsiedler von seine Besuchern, sie sollen jetzt noch einmal in die Zisterne schauen, und er fragte: »Was seht ihr jetzt?« »Oh, jetzt sehen wir uns selber.« Der Einsiedler belehrte sie: »Als ich vorhin Wasser schöpfte, da war das Wasser noch unruhig, jetzt hat sich das Wasser wieder beruhigt. So ist es auch mit unserem Geist; wenn wir uns in die Stille zurückziehen, beruhigt sich unser Geist. Wenn wir die Stille erleben, sehen wir uns selbst. Und das ist der Sinn von Meditation: uns selber so zu sehen, wie wir tatsächlich sind.«

Echte Meditation hat also das Ziel uns in unseren natürlichen Zustand zu bringen. Wir sitzen so lange in harmonischer Stille und erlauben unseren Gedanken zu fließen, bis sie versiegen und wir unser wahres Wesen »zu Gesicht bekommen«. Durch das wertfreie Beobachten betrachten wir ohne Angst, ohne Schuldgefühle, ohne Wut und ohne Trauer. Durch die Reise nach innen finden wir unser inneres Gleichgewicht und lösen das Ego immer mehr auf. Leider reisen die Menschen heute viel lieber nach außen, statt in sich zu gehen.

Nicht außerhalb, nur in sich selbst soll man den Frieden suchen. Wer die innere Stille gefunden hat, der greift nach nichts und er verwirft auch nichts. (Buddha)

Man sagt nicht grundlos, man sei »außer sich«, wenn man wütend ist. Nur in seinem Inneren findet man wahren Frieden.

Die Meditation soll bewirken, sich von allen äußeren Reizen frei zu machen und in die innere Ruhe zu kommen. Innerlich ruhig sein ist für mich gleichbedeutend mit innerlich unabhängig sein, also sich absolut im Sein befinden, quasi WUNSCHLOS GLÜCKLICH sein. Einfach happy sein, nichts verlangen, nichts erwarten, nichts fordern. Einfach im Nichts (Nichts= Nirwana) verweilen. Und schon kommt alles Glück ganz von allein. Durch die Meditation gelangt man schließlich in den »Urzustand« seiner Schwingung, zu sich selbst.

Im Normalfall sind die ersten Versuche einer Meditation selten von Erfolg gekrönt. Die Gedanken springen wie wild durch die Gegend herum und man ist innerlich unruhig. Es geht also darum sich von den tagträumerischen Gedanken zu reißen und die Selbst-ERKENN-tnis zu schärfen. Mit etwas Übung erleben wir dann immer mehr Gedankenpausen und in diesen Pausen dringen wir zu unserem wahren Wesen vor. In solchen Augenblicken erweitert sich unser Bewusst-SEIN, denn wir sehen nach langer Zeit, wer wir selber sind. Was Du in diesem Moment spürst, ist ein Moment ohne Dein EGO. Erreicht man diesen Zustand, ist man jenseits von Angst, Zweifel und Schuld.

Um bis zu diesem Zustand vorzudringen, gibt es einige wichtige Punkte zu beachten:

1.) Angenehmen Ort und angenehme Zeit für die Meditation wählen, ebenso gemütliche Kleidung

2.) Die richtige Atmung

3.) Die Körperhaltung

Meditieren wir täglich am selben Ort und zur selben Zeit, dann ist das eine Art Zeichen an unser Unterbewusstsein, dass es nun Zeit ist, die Gedanken und Gefühle schlafen zu lassen, damit die Meditation ungestört erfolgen kann. Ein guter Zeitpunkt ist morgens, um den Tag bewusst zu beginnen.

Manche Meditierende lassen harmonische Entspannungsmusik im Hintergrund laufen, wieder andere gestalten die Atmosphäre mit einem angenehmen Geruch durch eine Duftlampe. Das bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wobei hervorzuheben ist, dass eine gute Meditationsmusik die rechte Gehirnhälfte aktiviert, so dass daraus eine synchrone Arbeitsweise beider Hirnhälften erfolgt.

Grundsätzlich gilt: Je gemütlicher wir es bei der Meditation haben, desto leichter fällt sie uns. Viele Menschen halten eine bestimmte Sitzhaltung für erforderlich, doch wenn eine bestimmte Körperhaltung ungemütlich ist, warum sollten wir sie dann einnehmen? Nur weil ein berühmter Meditationsmeister sie auch eingenommen hat? Das macht keinen Sinn, denn jede Ungemütlichkeit blockiert die Meditation. Manch einer zwingt sich, alles genau so zu machen, wie ein asiatischer Zen-Mönch, der sein Leben lang meditiert. Und so sitzen viele Meditationsanfänger trotz Schmerzen in den Oberschenkeln im Lotussitz und beißen die Zähne zusammen, um die Meditation eine Stunde lang »auszuhalten«. Und am Ende sind sie sogar stolz auf sich, verkennen dabei aber, dass alles für die Katz‘ war, da sie durch die Schmerzen so sehr abgelenkt waren, dass keine Meditation zustande kam.

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