Wenn wir in einer belastenden Lebenslage festzustecken scheinen, leiden wir oftmals, aber wir sehen das Leiden nicht als Botschaft einer falschen Entwicklung. Doch das ist außerordentlich wichtig, denn nur wenn wir die Botschaft erkennen bzw. wenn wir die Ursache finden, können wir daraus lernen und ähnliche Krisen in Zukunft vermeiden. Symptome sind Signale, die nur da sind, um uns auf etwas Bestimmtes hinzuweisen.
Ein anschauliches Beispiel, was passieren kann, wenn wir die Botschaft hinter der Krise nicht begreifen, sind Krankheiten. Wenn wir z.B. husten, dann versucht der Körper Bakterien aus sich heraus zu werfen. Nehmen wir etwas gegen den Husten ein, haben wir zwar das Symptom namens »Husten« zum Schweigen gebracht (geknebelt), aber die Bakterien bleiben trotzdem in unserem Körper. Die Betäubung unserer Wunden und Schmerzen mag uns kurzfristig helfen, aber auf lange Sicht gesehen sind wir nicht weiter gekommen. Das wahre Problem bleibt bestehen und wird früher oder später wieder zum Ausbruch kommen.
Es ist also angebracht, tiefer zu graben, ursachenbewusster zu leben, in diesem speziellen Fall die »Botschaft des Hustens« zu erkennen.
Wenn das Öllämpchen im Auto blinkt, dann ist das eine Botschaft, dass etwas nicht in Ordnung ist bzw. dass etwas geändert werden muss. Es bringt absolut nichts, wenn man das Öllämpchen entfernt, nein, man muss schon die Zeichen richtig deuten und an die Ursache herangehen (Öl nachfüllen). Und siehe da: Kaum hat man das getan, blinkt das Öllämpchen nicht mehr. Symptome bzw. Wirkungen lösen sich automatisch auf, wenn man die dazugehörige Ursache auflöst. DAS ist die richtige Reihenfolge. Es bringt uns gar nichts, wenn wir die Suche nach Lösungen ins Außen verlagern, da das Problem dort draußen nicht seinen Ursprung hat. Wenn man in der Schule eine Klausur verhauen hat und eine schlechte Note bekommt, dann hilft es uns nicht, die Note unter der Klausur mit einem Tintenkiller zu löschen oder sie durchzustreichen. Auch hier muss von Grund auf etwas geändert werden, wenn man künftig bessere Noten haben will. Die schlechte Note ist nicht die Ursache für eine Krise, aber sie repräsentiert sie. Sie ist eine Nachricht an uns, adressiert an unsere innere Einstellung, an unser Bewusstsein. Sie ist der Wegweiser, auf dem steht: »Das hier ist eine Sackgasse. Da drüben geht es weiter, dort, auf diesem Weg. Den siehst du aber erst, wenn du dein Bewusstsein geändert hast.« Haben wir erst einmal ein verändertes bzw. ein krisenfreieres Bewusstsein, können diese Problemchen nicht länger existieren.
Ganz wichtig: Solange wir uns jedoch als Opfer der Umstände sehen, verpassen wir die Botschaft unserer Krise.
Doch was genau ist eigentlich eine Botschaft in solch einer Situation, magst Du nun fragen. Antwort: Jedes einzelne Gefühl, welches in uns hoch kommt. Achten wir auf unsere Empfindungen und führen eine Selbstreflexion durch.
Haben wir z.B. Magenbeschwerden, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass uns etwas schwer im Magen liegt, dass wir etwas in unserem Leben nicht »verdauen« bzw. nicht verarbeiten können.
Leiden wir an Übergewicht, kann uns das z.B. sagen, dass wir es uns im Leben unnötig schwer machen.
Wieso wird unsere Sehkraft plötzlich schwächer? Gibt es etwas in unserem Leben, was wir nicht mehr sehen wollen/können?
Warum lässt unser Gehör bereits in jungen Jahren nach? Möglicher Weise können wir das Gerede unseres Partners nicht mehr hören?
Vielleicht haben wir von etwas die Nase voll und erkälten uns dann, so dass die Nase im wahrsten Wortsinne voll ist.
Warum tut uns der Schulterbereich weh und wieso schmerzt uns unsere Wirbelsäule? Könnte es sein, dass diese Symptome uns damit zeigen wollen, dass uns eine schwere seelische Last zu erdrücken droht?
Alles Äußere weist auf innere Ursachen hin. Ein gebrochenes Herz z.B. kann zu Herzproblemen führen. Ob uns etwas im Nacken sitzt, uns auf die Nieren schlägt oder uns vor lauter Wut die Galle hochkommen lässt, all dies sind Hinweise auf ein seelisches Ungleichgewicht und Boten tiefer liegender Ursachen.
Ich habe mich während meiner Lebenskrise Folgendes gefragt:
»Was will mir meine Krise mitteilen und worin liegt der tiefere Sinn dieses Geschehens?
Wie kann mir das helfen und was kann ich daraus lernen?
Welche versteckten Chancen bieten sich mir dadurch und wie kann ich das Ganze optimal für mich nutzen?
Wie kann die in der Krise enthaltene Energie mir dienlich sein und welche neuen Wege ergeben sich daraus für mich?
Vielleicht habe ich mich vor der Krise zu sehr angepasst und dabei nicht auf meine ureigensten Bedürfnisse geachtet. Ist es nun vielleicht an der Zeit, besser für mich selbst zu sorgen? Was ist mir wirklich wichtig und was kann ich mir Gutes tun?«
Gehen wir diesen Fragen auf den Grund, können wir die Krise leichter lösen.
Wenn man eine Treppe hinunter gegangen ist, kann man sie auch wieder hoch gehen. So ist es auch bei Krisen und ihrer Entstehung. Gehen wir den Weg im Geiste wieder zurück. Auf diese Weise kommen wir der Ursache der Krise leichter auf die Spur. Stellen wir uns dabei die Frage:
»Was hat dazu beigetragen, dass es zur Krise kommen konnte?«
Es ist ein schrittweiser Prozess und ich behaupte nicht, dass er einfach ist, aber HEY, was ist uns unser persönliches Lebensglück wert!?! Ich habe es mir im Laufe der Zeit angewöhnt, alles und jeden als eine Art Lehrmeister anzusehen (oder auch als Spiegel). Man kann aus allem etwas lernen und daran als Persönlichkeit wachsen. Sei es eine Krankheit, finanzielle Probleme, eine gescheiterte Beziehung oder Ärger mit anderen Menschen. Und sie alle überbringen uns wichtige Nachrichten für unser weiteres Leben. Nutzen wir sie!!!
Jede Krise enthält eine Botschaft an uns. Und die erste ist immer die, sich der Krise zu stellen. Tun wir das, lernen wir daraus und reifen als Mensch.
Herzlichst, Eure Anke.
