Das eigentlich Wertvolle ist im Grunde die Intuition. (Albert Einstein)
Die Intuition ist laut Fachmeinung von Psychologen und Hirnforscher ein tiefes Wissen, welches völlig ohne umständliche Berechnungen und Erklärungen auskommt. Sie zeigt sich nicht nur in großen künstlerischen Kreationen oder in technologischen Erfindungen, sondern auch im täglichen Leben. Jeder Mensch vertraut täglich seiner Intuition, seinem Gespür, seinem Bauchgefühl, ohne rational darüber nachzudenken (»Schaffe ich es noch über die Straße?«).
»Der Verstand, den Menschen einsetzen, um vermeintlich kluge Entscheidungen zu treffen, ist begrenzt und macht nur einen kleinen Teil unseres tatsächlichen Wissens aus«, sagt der amerikanische Intuitionsforscher Milton Fisher. Der Schach-Weltmeister Wladimir Kramnik ist überzeugt davon, dass ohne die Intuition selbst der analytischste Denksportler völlig aufgeschmissen und hilflos wäre. Rationales Denken hat sich tatsächlich oft genug als wirkungslos erwiesen, wohingegen effektive und gute Entscheidungen oft aus dem Bauch, aus dem Herzen oder aus der Seele kommen. Sie entstammen einer Art unbewussten Intelligenz, sind reiner Logik weit voraus und haben, einfach ausgedrückt, aus einer höher schwingenden Dimension einen Gesamtüberblick über jede Situation. Fast ein jeder Künstler (Musiker, Maler, Bildhauer, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseur) ist nur dank seiner Intuition schöpferisch erfolgreich. Sie alle vertrauen ihrer inneren Stimme. Sie achten auf Fingerzeige in ihrer Umgebung, auf Zeichen in ihrem Inneren, auf Signale seitens ihrer Gefühle.
Man kann Vieles unbewusst wissen, indem man es nur fühlt, aber nicht weiß. (Dostojewski)
Intellekt ist die mittelbare Resonanz der Schöpfungskraft im Menschen, Intuition die unmittelbare. (Andreas Tenzer)
Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener verehrt und das Geschenk vergessen hat. (Albert Einstein)
Der Heidelberger Psychologe Henning Plessner untersuchte die menschliche Intuition mit einem Test. Testpersonen lasen von einem Nachrichtenticker die Kursentwicklungen von fünf verschiedenen Aktien ab, während ihre vermeintliche Hauptaufgabe darin bestand, ebenfalls auf dem Bildschirm gezeigte Werbefilme zu bewerten. Die Testpersonen konnten nach dem Test keine einzige Frage beantworten, die man ihnen bezüglich der Aktien stellte. Danach durften sie die Aktien gefühlsmäßig bewerten und schätzten die Kurse mit den größten Gewinnen tatsächlich am positivsten ein. Je weniger sie verstandesmäßig über etwas nachdachten, desto besser wussten sie die Wahrheit. „Gute Intuition ignoriert Informationen“, erklärt der Psychologe Gerd Gigerenzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Wenn wir uns vor Augen halten, dass unser höheres Selbst nicht wie der Verstand nur einzelne Puzzlestücke sieht, sondern immer das Gesamtbild, verwundert die Macht der Intuition uns nicht mehr.
Intelligenz, die voll erwacht ist, ist Intuition, und Intuition ist die einzig wahre Führung im Leben. (Krishnamurti)
Der Psychologe Gary Klein an der Oakland Universität erzählt von einem interessanten Fall, bei dem die Intuition eines Feuerwehrmannes lebensrettend war: Das Löschteam befand sich in einem brennenden Haus und konnte den Brandherd nicht ausfindig machen. Da schrie der in Rede stehende Feuerwehrmann auf einmal: „Alle raus hier!!!“ Nur kurze Zeit später krachte das ganze Gebäude in sich zusammen. Intuition sei Dank. Wer auf seine Intuition hört, holt das Beste aus seinem Leben heraus – im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt unzählige Berichte über Menschen, die auf wundersame Weise Kriegswirren und Naturkatastrophen heil überstanden haben, weil sie auf die intuitive Stimme aus ihrem Inneren gehört haben. Alle Ereignisse im Leben kündigen sich vorher schon an, nur wir erkennen meistens die Zeichen nicht.
Verlasse Dich ruhig auf Deine Ahnungen. Sie beruhen gewöhnlich auf dicht unterhalb der Bewusstseinsschwelle registrierten Fakten. (Joyce Brothers)
Der Starpianist Glenn Gould erzählt, dass er manchmal in der Situation ist, in der er trotz oder gerade wegen allerhöchster Konzentration nichts zustande bringt. In diesem Fall schaltete er dann Radio, Fernseher und sogar den Staubsauger ein, so dass er sich nicht mehr auf seine Spielweise konzentrieren konnte – und siehe da, es klappte auf einmal alles ganz intuitiv. Es ist also wirklich angebracht, die besserwisserische »Quasselstrippe« namens Verstand hin und wieder zu ignorieren, und stattdessen auf seine Intuition zu hören. Durch die Intuition haben wir die Fähigkeit, jenseits von Logik und Erfahrung Neues zu entdecken. Alles, was durch Logik erklärt werden kann, ist begrenzt. Um diese Grenzen zu überwinden, bedarf es der menschlichen Intuition. Sie erkennt Zusammenhänge zwischen scheinbar unabhängig voneinander geschehenen Ereignissen. Die Zusammenhänge waren schon immer da, jedoch kann man sie nicht sehen, wenn man sich nur an äußeren Dingen orientiert.
Wir hören viel, aber wir hören eigentlich erst, wenn wir die wirren Stimmen haben sterben lassen und nur noch eine spricht. (Meister Eckhart)
Derjenige, der mit dem Tao im Einklang ist, unterscheidet sich nicht von den Buddhas und Patriarchen. Aber ihr vertraut nicht auf Euer Inneres, und so wendet ihr Euch auf eurer Suche nach außen. Lasst Euch nicht täuschen! Die höchste Wahrheit ist nichts, was man im Äußeren finden könnte. (Lin-chi)
Kann man seiner Intuition immer trauen? Gerd Gigerenzer stellte fest, dass nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA etwa 1500 Menschen mehr als sonst in einem Jahr bei Autounfällen starben. Ihr Unterbewusstsein suggerierte den Amerikanern damals, dass Autofahren sicherer sei als Fliegen. Angst beeinflusst die Intuition, die einer unserer effektivsten Wegweiser zu einem glücklichen Leben darstellt, also ganz enorm, so dass wir bestrebt sein sollten, ein angstfreies Leben zu führen. Da Angst durch Unbewusstheit entsteht, sollten wir demnach Bewusstheit anstreben. Was sich auch (Negatives) in der Außenwelt tut, es ist immer nur die Wirkung von zuvor gedachten Gedanken. Warum sollte man gedanklich bei diesen Auswirkungen verbleiben, wenn man doch hier und jetzt die Möglichkeit hat, positiv zu denken und damit neue Ursachen zu setzen? Ich konzentriere mich auf meine Intuition, die mir weiterhin den richtigen Weg weist.
Es gibt einen großen Meister, der wohnt in Deinem Herzen. Richte Deine Blicke nach innen, entziehe Deine Sinne der Außenwelt und suche seine Hilfe. (Swami Sivananda)
Während unserer Erziehung hat man uns alles Mögliche beigebracht: Was gut und was böse ist, was richtig und was falsch ist, was man tun sollte und was nicht. Man brachte uns so viel bei, dass wir dabei immer mehr und mehr, Jahr für Jahr, unsere Intuition vernachlässigten, bis wir als Erwachsene gar nicht mehr wussten, dass unsere Intuition existiert. Gedanken, Gefühle, Ansichten – all das kann in der Außenwelt verdreht, manipuliert und entstellt werden. Durch politische Reden, durch Filme, durch Musik, selbst durch das Wetter. Nur die Intuition kann man nicht verändern, denn sie sagt immer etwas Hilfreiches. Man kann höchstens dafür sorgen, dass man ein so stressiges und lautes Leben führt, so dass man die Intuition nicht mehr hört, sie falsch wahrnimmt und missdeutet. Wir sollten ganz genau hinhören, was uns unsere Intuition mitzuteilen hat, wie folgende Geschichte zeigt:
New York, Ende der 20er Jahre, trug sich diese Geschichte, so erzählt man sich, wirklich zu. Wie bekannt, herrschte auch damals große Arbeitslosigkeit. Die New Yorker Telegrafen¬Firma »Western Union Telegraph Company« hatte einen Job für einen Morse-Operator ausgeschrieben. Damals wurden die neuesten Nachrichten mit Hilfe eines Apparates übermittelt, den Samuel Morse im Jahr 1833 entwickelt hatte. In dem Stellenangebot war, wie wir es heute noch kennen, ein jugendlicher, belastbarer Mensch gefragt, der mindestens 10 Jahre Berufserfahrung haben sollte. Es meldeten sich über 800 Personen. Davon wurden 300 eingeladen. Damals waren die Gebäude noch großzügig gebaut und so hatte die Firma eine ausladende Empfangshalle, von der aus einzelne Gänge ins Innere des Gebäudes führten. Über einen von ihnen gelangte man zu den Rekrutierungsräumen der Personalabteilung. Die Bewerber erhielten bei der Ankunft Nummern, nach denen sie aufgerufen werden sollten. Stühle gab es nur wenige und so setzten sich viele auf den kalten Steinfußboden, um zu warten. Es war ein heißer Tag im August. Der Bewerberstrom ebbte nicht ab. Die Stimmen der Menschen in der Halle wurden von einem ständigen Hämmern im Hintergrund überlagert. Da trat ein Mann in die Halle, zog die Nummer 254 und suchte sich einen Platz. Er hörte wie gerade der Bewerber mit der Nummer 87 aufgerufen wurde. Ihm wurde sofort klar, dass es noch lange dauern würde, bis er an der Reihe war. Daher setzte auch er sich auf den Boden, um zu warten. Es dauerte keine zwei Minuten, da schoss er hoch, ging geradewegs zur anderen Seite der Halle in den kleinen Gang. Ohne anzuklopfen öffnete er die dritte Türe rechts und trat ein. Nach ungefähr 5 Minuten kam er wieder aus dem Raum, begleitet von einem Angestellten. Dieser teilte den Wartenden mit, der Job sei vergeben, sie könnten nach Hause gehen. Unter den Wartenden machte sich Unmut breit. »Dieser Mann hat sich nach vorne gedrängt«, rief einer von ihnen. »Ich war an der Reihe«, schrie ein anderer. Im Nu schloss sich eine geifernde Menschentraube um die Beiden. Zwei drahtige Kerle zerrten an dem Bewerber. Bevor es zur Schlägerei kommen konnte, griff der Sicherheitsdienst ein, um die Menge auseinander zu treiben. Der Angestellte, ein älterer Herr mit einem schneeweißen Bart, aber hob seine Arme mit einer Geste der Beschwichtigung. Es dauerte noch eine kurze Weile, bis die Menschen erkannten, dass ihnen etwas gesagt werden sollte. Und da trat Ruhe ein. Der Personalchef stellte sich kurz vor und erklärte den Wartenden, warum der Mann mit der Nummer 254 diesen Job bekam: »Jeder von Ihnen hatte dieselbe Chance. Jeder von Ihnen hörte das Hämmern im Hintergrund. Vielleicht dachten Sie, wir würden gerade umbauen, würden renovieren. Aber dem ist nicht so. Wir sind eine Telegraphen-Gesellschaft und was da zu hören ist, sind unsere Morse-Operatoren. Während unserer Bewerbungszeit hämmerte einer von ihnen etwas, das über den Lautsprecher verstärkt wurde: »Wenn Du das verstehst, gehe in den Gang B und trete durch die Tür des Raumes B1-233. Klopfe nicht an, sondern gehe einfach rein und Du hast den Job.«
Allein sind wir nach meinen Erfahrungswerten nie, da unsere Intuition uns immer begleitet. Du brauchst sie nur zu fragen, wo es lang geht in Deinem Leben, und sie wird Dir liebevoll und hilfsbereit antworten. Und dann, nachdem Du Dir die Frage nach DEINER Berufung gestellt hast, warte ab, was Dir Deine Intuition darauf antwortet. Aber dann höre auch zu, wenn Deine Intuition sich meldet. Wahrscheinlich erhalten wir jede Stunde an die 10 bis 20 Botschaften. Und wenn Du sie empfangen hast, dann gehe Deinem Lebensplan von da an nicht länger aus dem Weg, denn er ist der hundertprozentige Weg zu einem glücklichen Leben.
Herzlichst, Deine Anke.
