Aus spiritueller Sicht entstehen Ängste immer dann, wenn wir uns getrennt fühlen von der Schöpfung. Denn wären wir uns unseres »Einsseins« bewusst, so der einstimmige Tenor aus esoterischen Kreisen, dann hätten wir vor nichts und niemandem Angst. Im kleineren Maßstab gilt das Gefühl des Getrenntseins auch für andere Dinge. Wenn wir z.B. eine Situation ablehnen, trennen wir uns von dieser Situation, die wir mittels unserer schöpferischen Fähigkeit selbst erschaffen haben. Wir trennen uns also von unserer eigenen, kleinen Schöpfung. Ganz egal, ob wir uns die Angelegenheit aus spiritueller Sicht oder aus wissenschaftlicher Sicht anschauen, fest steht: Wir selbst erzeugen unsere Angst durch unseren Glauben. Nicht die Erfahrung selbst macht uns Angst, sondern unsere eigenen Gedanken darüber. Angst ist unsere Reaktion, wenn wir fest davon überzeugt sind, wir seien einer bestimmten Situation nicht gewachsen. Das ist besonders dann der Fall, wenn wir in eine neue Situation geraten, die wir so in dieser Art noch nie erlebt haben. Wir sind orientierungslos, werden unsicher und WISSEN nicht, was wir tun sollen. Unser Verstand ersetzt das Wort »wissen« dann mit dem Wort »KÖNNEN« und prompt denken wir, dass wir nichts tun KÖNNEN und fühlen uns daraufhin noch hilfloser – und produzieren somit noch mehr Angst. Das muss nicht ewig so weiter gehen, wir können etwas dagegen tun. Ich selbst habe meine Ängste heute weitgehend im Griff. Das habe ich dadurch geschafft, dass ich die Angst erst einmal als etwas ganz Neutrales angesehen habe. Ich sage mir seit einiger Zeit, dass die Angstgefühle ja aus keiner negativen Absicht heraus entstehen. Ich sehe sie eher als den Ausdruck des Bedürfnisses nach Sicherheit an. Also nichts »Böses«, nichts Negatives, sondern etwas durchaus Akzeptables und Nachvollziehbares. Fakt ist: Unsere Ängste werden von unserem Unterbewusstsein geschaffen. Es geht davon aus, dass die Angstgefühle uns beschützen. Da unser Unterbewusstsein aber nicht in der Lage ist, logisch zu denken, versteht es nicht, dass diese Gefühle das Gegenteil bewirken und uns sehr einschränken. In solchen Situationen verinnerliche ich mir, dass alles zwei Seiten hat – und ich wähle die »gute«, indem ich die Angst als »Schwingungsmessgerät« benutze. Angst ist ein Gefühl und wie jedes Gefühl eine Art Barometer für uns, vergleichbar mit einem Fieber-Thermometer. Sie zeigt uns zuverlässig und hochpräzise an, in welchem Schwingungszustand wir uns gerade befinden. Unsere Angst gibt uns immer die Rückmeldung, welche wir dringend benötigen. Wenn das Fieber-Thermometer anzeigt, dass wir eine überhöhte Körpertemperatur haben, dann hilft es uns keinen Millimeter weiter, das Fieber-Thermometer wegzuschmeißen. Und Ängste mit Gewalt loswerden zu wollen, wäre genau so sinnlos. Geben wir der Angst die Chance, uns auf unseren Gemütszustand hinzuweisen.
Angst ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. (Unbekannt)
Wenn wir vor unserer Angst unsere Tür verschließen und sie somit zu ignorieren versuchen, können wir ihre Botschaft nicht verstehen. Machen wir uns dabei bitte klar:
Angst lässt sich nicht verdrängen.
Gefühle, die unterdrückt bzw. verdrängt werden, machen uns früher oder später krank. Anstatt sie zu verdrängen und sich abzulenken, sollten wir uns unseren Gefühlen stellen. Akzeptieren wir unsere Gefühle einfach als etwas Natürliches, auch die Angst. Ich sage mir: »Ich habe Angst. Na und? Ich mache kein Problem daraus. Das Gefühl der Angst ist ganz normal und geht mit allen krisenbehafteten Veränderungen in unserem Leben einher. Es ist also völlig in Ordnung, wenn ich Angst habe, aber ich weiß auch, dass es immer einen Weg gibt, um die Harmonie wieder herzustellen.« Wenn wir uns selbst sagen können, dass es in diesem Fall ganz in Ordnung ist, dass wir vor lauter Angst zittern, dann lässt die Angst bereits merklich nach. Durch unser Eingeständnis lässt der innere Druck nach und wir fühlen uns leichter und freier.
Angst ist Energie. Das Energieerhaltungsgesetz lehrt uns, dass Energie nicht vernichtet werden kann. Nicht die Energie ist das Problem, sondern unsere Filter, die aus der Energie Angst oder Liebe machen. Energie ist ewiglich und sie kann nur ihre Form verändern. Denken wir hierbei einmal an Wasser. Wenn man Wasser gefriert, wird es zu Eis. Und wenn man es erhitzt, verdampft es und wird zu Wasserdampf. Das Wasser ist weder verschwunden noch wurde es zerstört, es ist immer noch da, nur hat es seine Form geändert. Nicht anders verhält es sich mit Angstenergie. Seit Jahrtausenden hat die Menschheit versucht, die Angst zu beseitigen, aber sie ist ein Teil dieses Universums und kann aus ihm nicht verschwinden. Sie bleibt vorhanden, daran kann man nichts ändern, aber was man machen kann, das ist sie zu transformieren. Und genau das ist der Punkt: Dass Angst energetisch ist und sich nicht beseitigen lässt, ist nichts Negatives, nein, es ist die Lösung!!! Ich versuche meine Angst nicht zu überspielen, nicht sie zu vernichten und auch nicht ihr Widerstand zu leisten, sondern nehme sie ohne Urteil an und fühle sie ganz bewusst. Indem ich sie ohne Urteil annehme, sehe ich sie nicht länger als Feind, als etwas Falsches, Verkehrtes oder als etwas Lästiges an. Ich unterdrücke sie nicht, nein, ich drücke sie aus. Ich weiß, dass die Angst mir nichts antun wird, wenn ich sie widerstandslos erlebe. Und genau durch diese authentische Vorgehensweise bekomme ich immer mehr Macht über sie. Die Angst löst sich immer mehr auf, weil sie sich transformiert.
Gefühle voll und ganz zu spüren, ohne sie verändern zu wollen, ist der Weg sie zu verändern. (Rüdiger Schache)
Als ZEN-Meister Kobun Chino gefragt wurde, wie er persönlich mit Angst umgeht, sagte er: »Ich bin mit ihr einverstanden.« Auf diese Weise wird er zum Meister über sie. Das mag zwar auf den ersten Blick paradox erscheinen, aber das ist eben die »Logik der Gefühle«. Deshalb ist es immer ratsam, die Angst (meditativ) zu beobachten und sie als eine Tatsache anzunehmen.
Es gibt viele Anhänger des positiven Denkens, die davon überzeugt sind, sie dürften niemals negative Gefühle haben. Angst annehmen bedeutet nicht, dass man der Angst zu viel Aufmerksamkeit schenken soll. Es geht nicht darum, die Angst mit unserem Fokus zu verstärken, indem wir uns ständig sagen, dass die Angst uns beherrscht und im Griff hat, da wir sonst aufgrund von zu viel Angst zu einem unbewussten Gegenstand mutieren würden. Nein, es geht darum, die Angst einfach nur wahrzunehmen, sie zu bezeugen, ihr freien Lauf zu lassen und im Hier und Jetzt zu bleiben. Die Angst ist da, aber wir müssen sie nicht heiraten. Sie ist da, aber wir gehen weiter unseren eigenen Weg. Sie ist da, aber wir bekämpfen sie nicht, wir ignorieren sie nicht und wir lassen uns durch sie nicht aufhalten. Sie ist da, wir nehmen sie wahr, ohne sie zu analysieren und Punkt! Im asiatischen »Wu Wei« nennt man das »Handeln durch Nichthandeln«. Dadurch schweben wir über ihr. Ich sage mir in solchen Situationen, dass die Gefühle der Angst JETZT da sind und JETZT auch da sein DÜRFEN. Wenn sie JETZT da sind, heißt das ja nicht, dass sie morgen, übermorgen oder nächste Woche immer noch da sind. Gefühle dauern nicht ewig an, sie verändern sich, sie ziehen wie Wolken durch den Himmel und sind irgendwann wieder weg. Wenn man die strikte Auffassung vertritt, dass Angst auf keinen Fall sein darf, dann führt das automatisch zu einer Selbstabwertung. Die Situation ist dann so: Wir empfinden gerade Angst, aber unsere Meinung schreibt uns vor, dass das nicht sein darf. Wenn die Angst aber trotzdem da ist, dann heißt das, wir haben versagt, sind unfähig und ein Opfer. Indem wir die Angst anerkennen, verschwindet das Gefühl der Selbstabwertung und wir fühlen uns schon etwas »leichter«. Meistens ist es sogar so, dass die Angst selbst uns weniger zu schaffen macht, als das Gefühl des Ablehnens der Angst. Die Ablehnung der Angst nimmt bezüglich unseres Problemerlebens prozentual einen weitaus größeren Raum ein, als die entsprechende Lebenserfahrung selbst. Wenn wir also etwas loslassen wollen, dann zuerst das Gefühl des Ablehnens der Angst.
Verinnerlichen wir uns das bitte so gut es geht: Annehmen wandelt die Angst um. Angst bekämpfen hingegen sorgt dafür, dass die Angst anwächst und uns innerlich immer mehr lähmt. Wir machen dann aus einem Problem zwei Probleme. Jeder Kampf verursacht nur noch mehr Disharmonie. Ängste annehmen führt zu einer Bewusstseinserweiterung. Und jede Bewusstseinserweiterung führt uns zu mehr Liebe und Freude.
Nehme ich meine Angst an, löse ich sie auf. Lehne ich meine Angst ab und bekämpfe sie, verstärke ich sie nur. Und dann entsteht irgendwann die Angst vor der Angst. (Ruth Willis)
Bei meinen Klienten löse ich die Angst mit der JETZT-Methode auf, indem der Klient in die Angst reingeht, sie spürt und dann mit dem Ausatmen gehen lässt.
Herzlichst, Deine Anke
