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Das Wunder der Wiedergeburt

»Ich bin gewiss, wie sie mich hier sehen, schon tausendmal dagewesen und hoffe wohl noch tausendmal wiederzukommen.« (Johann Wolfgang von Goethe)

Was hat es mit dem Phänomen der Wiedergeburt (Reinkarnation) auf sich?

Gemeint ist, dass das Leben nicht mit dem Tod endet, sondern dass die Seele durch das Verlassen des physischen Körpers in eine neue Ebene des Seins wandert und durch ständige Wiedergeburten (das Geistige verkörpert sich als Mensch) zu immer mehr Wissen gelangt. Diesen Inkarnationszyklus nennt man auch Kreislauf der Wiedergeburten oder auch »Samsara«. Zu Beginn der Christenheit war die Reinkarnation (in carne = Wiederfleischwerdung) fest enthalten im Glauben. Genauer gesagt: Zur Zeit Jesu in zwei der drei jüdischen Hauptrichtungen, nämlich den Essenern und den Pharisäern, war der Reinkarnationsglaube weit verbreitet, ebenso in der griechisch-römischen Welt und im Manichäismus. Theologen und Kirchenfürsten wie Origenes, Basilides oder der heilige Gregor lehrten die Wiederverkörperung der Seele so, wie sie in der Bibel geschrieben stand. Das Konzil von 451 bekräftigte die Lehre der Wiedergeburt und sie war eine tragende Säule des christlichen Glaubens. Dies änderte sich durch Kaiser Justinian und besonders durch seine sehr ehrgeizige Frau Theodora. Sie strebte ihre Vergöttlichung an (damals wurden die römischen Imperatoren zu Göttern ausgerufen). Der christliche Glaube hatte diesem Brauch jedoch ein Ende gesetzt, denn wie sollte Theodora zur ewigen Göttin gemacht werden, wenn es die Lehre der Wiedergeburt gab und diese aussagte, dass jeder Mensch weitere »Erdenauftritte« haben würde!? Nach der Reinkarnationslehre könnte Theodora im nächsten Leben als Bettlerin wiedergeboren werden.

Da der Glaube an die Wiedergeburt Theodoras Wunsch nach Vergöttlichung ihrer Person im Wege stand, ließ sie die Reinkarnationslehre mit Hilfe von monophysitischen Mönchen, die kurz darauf von ihrem Kirchenbann befreit wurden, aus allen kirchlichen Schriften entfernen. Ihr Gatte Justinian war ihr geradezu hörig und unterstützte ihr Ansinnen mit seiner kaiserlichen Macht. Im Zuge der Umsetzung von Theodoras Plänen wurde der Papst abgesetzt und an seine Stelle trat ein Günstling der Kaiserin. Im Jahre 543 rief Theodora dann die Synode der Ostkirche von Konstantinopel zusammen und dort wurde schließlich die Bekräftigung der Reinkarnationslehre aus dem Jahre 451 widerrufen. Nach dem Tode Theodoras (547) blieb Kaiser Justinian den Wünschen seiner verstorbenen Frau treu und setzte es durch, dass die Wiedergeburtenlehre als Ketzerei galt und dass jeder, der sie vertrat, verdammt wurde.

Rückblickend lässt sich leicht feststellen, dass die Kirche nicht die weltliche Macht erlangt hätte, wie es heute der Fall ist, wenn die Reinkarnationslehre weiterhin fundamentaler Bestandteil des christlichen Glaubens geblieben wäre. Dazu reicht ein Blick auf hinduistische sowie buddhistische »Kirchen«, die nicht durch die Angst der Menschen vor ewiger Verdammnis Geld zur Bereinigung vermeintlicher Sünden einfordern konnten. Besonders im Mittelalter wurden die Menschen durch »Ablasszahlungen« zur Kasse gebeten. In Avignon hingen zu dieser Zeit an Jesus-Figuren am Kreuz sogar Geldbeutel um die Hüften. Trotz der Versuche, die Reinkarnationslehre aus dem christlichen Glauben zu löschen, finden sich in der Bibel trotzdem Spuren, die darauf hindeuten, dass sie zum urchristlichen Glauben gehörte. Der Jakobusbrief warnt uns zum Beispiel davor, dass unsere Zunge einen »Brand« verursachen könnte, der das »Rad der Geburt« erneut in Bewegung setzt.

Übrigens: Nicht nur Christen, Buddhisten und Hinduisten glaub(t)en an die Lehre der Reinkarnation. Sie war bereits für nordische Völker in Europa, Anatolien (Türkei), Eskimos, Persien, islamische Sufis, verschiedene Indianerkulturen auf dem amerikanischen Kontinent, afrikanische Ureinwohner (wie den Zulus), die Katharer und keltische Druiden ein selbstverständliches Grundwissen. Natürlich spielt auch das Karma beim Thema Wiedergeburt eine wesentliche Rolle: Im Vorleben haben wir alle Ursachen gesetzt, die uns heute als (Aus-)Wirkung das Leben gestalten. So ist vielleicht jemand blind geboren, weil er im Vorleben einem anderen Menschen das Augenlicht genommen hat. Auch die gleichgeschlechtliche Liebe lässt sich durch die Wiedergeburt erklären. Die Seele selbst hat kein Geschlecht, aber wenn jemand zehn Leben als Mann gelebt hat und sich dann für das nächste Leben als Frau entschieden hat, kann es in diesem Leben dazu kommen, dass man sich plötzlich zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, weil es in den letzten zehn Leben »normal« war, sich zu Frauen hingezogen zu fühlen. In diesem Fall ist die Rückerinnerung so stark, dass sie auf das neue Leben durchstrahlt.

Ich selbst glaube fest an die Wiedergeburt. Diese setzt die Existenz einer »energetischen«  Seele voraus, die unabhängig eines vergänglichen materiellen Körpers fortbestehen kann. Jeder Mensch, der sich mit seinem Körper bzw. mit seinem Gehirn gleichsetzt, begrenzt sich aus meiner Sicht selbst. Wir sind nämlich weitaus mehr. Natürlich ist das menschliche Gehirn ein biologisches Wunderwerk, welches allen Computern der Welt haushoch überlegen ist. Es besteht aus zehn Milliarden Nervenzellen (Neuronen) und aus hundert Billionen Synapsen, welche die Neuronen miteinander verbinden. Das ist in der Tat sehr eindrucksvoll, doch letztendlich ist das Gehirn nicht mehr als ein guter Motor, eine wirklich tolle Hardware, ein leistungsstarker biologischer Computer. Doch selbst der allerbeste Computer der Welt taugt nichts ohne die Software und ohne einen Menschen, der den Computer bedient. Nun, die Software ist in diesem Fall unsere Seele, welche ein Teilbewusstsein des höheren Selbst darstellt, quasi ein kleiner Teil eines höheren Bewusstseins, das sich aus purer Liebe auf den Weg gemacht hat, die Erfahrung „Menschsein“ zu machen. Diese Seele belebt die Hardware und erfüllt sie mit Lebensenergie. Ohne die Software SEELE ist die Hardware GEHIRN bzw. unser materieller Körper zwar schön anzuschauen, aber völlig nutzlos. Und derjenige, der den Computer (also das Gehirn) bedient, ist das höhere Selbst (also WIR in unserer Gesamtheit), sozusagen unser Gesamtbewusstsein, welches der Seele (also UNS, aber eben nicht komplett, nur ein Teilaspekt) per Intuition die richtigen Eingebungen gibt  (Eingebung=Eingabe von Informationen). Man kann im Grunde sagen: Alles was lebt, wird durch eine Kraft beseelt, die lebendig und göttlich ist und die nicht an einen materiellen Körper gebunden ist. Ein Körper ohne Seele ist tot. In unserem Kern sind wir alle reine, göttliche Energie (Lichtwesenheiten). Diese Energie, die den menschlichen Körper beseelt, ist unvorstellbar alt, unglaublich weise und hat in ihrer Existenz bereits zahllose Erfahrungen gemacht, die weit über das Leben auf der Erde hinausgehen. Ich rede hier von Millionen von unterschiedlichen Leben, mit dem Ziel, viele unterschiedliche Erfahrungswerte zu sammeln. Dies führt zu innerer Entwicklung (Aufstieg), die schließlich so weit geht, dass man zurück in die Einheit (Einheitsbewusstsein, göttliches Gesamtbewusstsein) gelangt und eins wird mit Gott. Wichtig ist dabei zu wissen, dass der Mensch drei Körper hat:

  • Sthula Sharira – der grobstoffliche Körper
  • Sukshma Sharira – der feinstoffliche Körper
  • Karana Sharira – der kausale Körper

Jeder Mensch besteht aus diesen drei Körpern, ist sich aber nur des grobstofflichen Körpers voll bewusst. Alle drei Körper schwingen zwar alle auf unterschiedlichen Frequenzen, bilden aber zugleich eine in sich geschlossene Einheit. Ebenso ist es wichtig zu wissen, dass die Existenz selbst aus unzähligen Dimensionen und Schwingungs-ebenen besteht. Für uns sind bezüglich der Reinkarnation jedoch nur diese drei wichtig:

  • Bhur Loka – die manifeste oder erdnahe Ebene
  • Bhuvar Loka – die feinstoffliche oder astrale Ebene
  • Svahar Loka – die kausale oder ursächliche Ebene

Was geschieht nun genau beim physischen Ableben? Der kausale Körper führt eine Seelenwanderung durch und verlässt mit allen tief sitzenden und durch unzählige Erfahrungen angesammelten Programmierungen den grobstofflichen Körper. Man kann den kausalen Körper auch Seele nennen in diesem Zusammenhang, während das göttliche Selbst jenseits aller genannten Körper ist. Während des Todes »verfällt« der grobstoffliche Körper. Wie schon gesagt, löst sich die Seele (Karana Sharira) vom grobstofflichen Körper und hält sich etwa 2-3 Tage in der erdnahen/astralen Ebene auf. Dies ist notwendig, um sich von der vergangenen Inkarnation lösen zu können. Je mehr Liebe und wohlwollende Gedanken (gerne auch in Form von Gebeten) von Freunden und Angehörigen ausgestrahlt wird zum Verstorbenen, umso leichter fällt es der Seele, mittels eines Tunnels in höhere Ebenen aufzusteigen. Dieser Aufstieg kann von Lichtwesen und verstorbenen Verwandten unterstützt werden. In dieser Dimension erscheint alles etwas surreal und unkonkret, und man kann auf wichtige Personen aus dem Leben treffen und sich aussprechen. Für gewöhnlich zieht es die Seele dann von dort aus in die nächste Inkarnation. Es gibt aber auch Fälle, in denen selbstverwirklichte Seelen, die sich vom grobstofflichen Körper lösen,  in höhere Welten aufsteigen und ins sogenannte Nirwana eingehen. Manche kommen als Siddha/Bodhisattwa auf die Welt zurück, um anderen Seelen zu helfen. Andere helfen als aufgestiegene Meister aus anderen Dimensionen. Aus der astralen Ebene (Bhuvar Loka) kehrt man jedoch früher oder später wieder in die grobstoffliche Welt zurück, um sein Karma auszugleichen. Dabei nimmt jede Seele immer den Platz auf Erden ein, der den zu bewältigenden Aufgaben und dem jeweiligen Entwicklungsgrad entspricht. Im Augenblick der Empfängnis ist die Seele bereits da und ist lose gebunden am heranwachsenden Körper. Nach der Geburt verschmilzt die Seele dann schrittweise mit der neuen, physischen Hülle. Dabei vergisst die Seele ihren wahren Wesenskern und das Spiel der Wiedergeburt (oder auch die Schule des Lebens) beginnt von vorne. Wobei die Seele im neuen Leben da weitermacht, wo sie im letzten Leben aufgehört hat. Eine Reinkarnation ist somit so etwas wie das Versetzen in eine höhere Schulklasse.

Würden alle Menschen die Wiedergeburt zu ihrer Wahrheit machen, würden sie keine Vorurteile gegenüber anderen Menschen haben, denn in einem Leben bin ich Christ, im nächsten vielleicht Jude, dann eventuell Moslem, dann womöglich Buddhist, dann möglicher Weise Atheist, dann vielleicht ein Ureinwohner im Amazonas-Dschungel und so weiter. Warum sollte ich einer bestimmten Gruppe gegenüber feindlich gesinnt sein, wenn ich im nächsten Leben selbst zu der Gruppe gehören könnte? Abgesehen davon sind wir sowieso alle Mitglieder einer Gruppe, nämlich der Gruppe der Menschen. Wir sitzen alle im selben Boot genannt Planet Mutter Erde und sollten alles und jeden liebevoll behandeln. Auch uns selbst.

Herzlichst, Eure Anke

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